Relief am Eingang der Gedenkstätte

Dieses Relief zum Gedenken an die Opfer der "Euthanasie" wurde 1953 eingeweiht. Es handelt sich dabei vermutlich um das früheste aus öffentlichen Mitteln finanzierte Erinnerungszeichen an die Opfer der "Euthanasie"-Verbrechen der Nationalsozialisten.


Gestaltet wurde es vom Bildhauer Anton Krams aus dem hessischen Kiedrich. Beim Material handelt es sich um gelben Marmor. Auf der Rückseite befindet sich die handschriftliche Notiz des Künstlers: "Ehrenmal in der Anstalt Hadamar". Der Auftrag hierzu erging Ende 1952 von der Kommunalverwaltung des Regierungsbezirks Wiesbaden, Rechtsvorgänger des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV).


Am 13. März 1953 wurde das Relief feierlich vom Künstler selbst enthüllt. Den einzigen Hinweis auf die "Euthanasie"-Verbrechen liefern die Jahreszahlen 1941-1945. Die Darstellung einer gebeugten Person und einer Flammenschale greift die zeitgenössisch typische Bildsprache von Gefallenendenkmälern auf.


Anton Krams, der Gestalter des Reliefs, wurde am 9.5.1899 als eines von vier Kindern einer Kiedricher Winzerfamilie geboren. Sein Interesse für die Bildhauerei entwickelte er im Zuge der Restauration der Michaelskapelle in Kiedrich, die er aus der Schule heraus beobachtete. Zunächst absolvierte Krams auf Wunsch seiner Eltern eine Winzerlehre, bis er 1917 zum Militär einberufen wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg begann er 1919 eine Bildhauerlehre in Eltville, die er 1924 als Bildhauergeselle abschloss. Von 1924 bis 1928 studierte er Bildhauerei und Bildende Kunst am Ständelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main.


Nach seinem Studium fand Anton Krams in dem jüdischen Schriftsteller Gerson Stern einen großzügigen Gönner. Wegen seiner Zusammenarbeit mit Stern wurde Krams von den Nationalsozialisten zwar als „nicht erwünschte Person“ betrachtet und verlor sein Atelier; ihm war es aber dennoch erlaubt, weiterhin als Künstler tätig zu sein. 1939 wurde Krams zur Wehrmacht einberufen, nach dem Krieg befand er sich etwa ein Vierteljahr in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Als Bildhauer konnte er beruflich erst wieder tätig werden, nachdem er im Frühjahr 1947 im Zuge der Entnazifizierung als "politisch Nichtbetroffener" eingestuft worden war. Von den vor dem Krieg entstandenen Skulpturen sind keine erhalten – die meisten wurden durch Kriegseinwirkungen zerstört.


Seine zahlreichen nach 1947 erschaffenen Skulpturen befinden sich vornehmlich im Rheingau in Kirchen, Weingütern und Winzerhäusern. Seine Themen waren zum einen sakrale Kunst – er hat einige Madonnen-Figuren erschaffen sowie ein Christus-Relief und mehrere Kruzifixe. Zum anderen wird durch Krams Arbeit seine Verbundenheit zum Rheingau widergespiegelt. Dies wird deutlich durch zahlreiche Reliefs auf Fassböden für Weingüter, aber auch durch Portraits von Kiedricher Persönlichkeiten.


Anton Krams verstarb am 19.4.1982 in Kiedrich und ist auf dem dortigen Friedhof beerdigt, wo sich das von ihm geschaffene Christusrelief auf seinem Grabstein befindet.




Quelle: Kiedricher Persönlichkeiten aus sieben Jahrhunderten, hg. vom Förderkreis Kiedricher Geschichts- und Kulturzeugen, Kiedrich 2008, S. 273-284