"Zweite Mordphase"

Der Stopp der Gasmorde im Sommer 1941 bedeutete nicht das Ende der "Euthanasie"-Morde, sondern einen Wechsel in der Verantwortlichkeit, der Organisation und der Tötungsmethode.
Die Morde wurden nicht mehr zentral von Berlin aus und für jeden einzelnen Fall angeordnet, sondern Länder- oder Provinzialverwaltungen erteilten pauschale Tötungsermächtigungen. Die Selektion und der Transport der Opfer in einzelne geographisch ausgewählte Tötungsanstalten wurden nicht mehr zentral für das gesamte Reich gesteuert. An ihre Stelle traten lokale und regionale Maßnahmen, die unter Umständen dazu führten, dass in einem Verwaltungsbereich flächendeckend gemordet wurde.
Die Planungen der Morde konnten aber auch über die Region hinausgehen und die "T4"-Zentrale einbeziehen, z. B. als Koordinatorin von Patiententransporten von einem Reichsteil in den anderen. In diesen Fällen kristallisierten sich wieder überregionale Tötungszentren wie Hadamar oder Meseritz-Obrawalde in Pommern heraus.
Schließlich wurde der arbeitsteilige und damit in der Verantwortung aufgeteilte Massenmord in der Gaskammer abgelöst durch den individualisierten, vom Täter eigenhändig ausgeführten Mord mit überdosierten Medikamenten, die in Tablettenform oder als Injektion verabreicht wurden. Gleichzeitig starben Patientinnen und Patienten an gezielter Mangelernährung oder vorenthaltener medizinischer Versorgung.