Im Rahmen der "zweiten Mordphase" übernahm die ehemalige Landesheilanstalt Hadamar erneut die Funktion einer Tötungsanstalt. Von August 1942 bis zum 26. März 1945 starben fast 4.500 weitere Opfer. Wer nicht schnell genug der gezielt eingesetzten Hungerkost oder der vorenthaltenen medizinischen Versorgung erlag, wurde durch überdosierte Medikamente getötet. Morgens entschieden Arzt, Oberschwester und Oberpfleger, welche Patientinnen und Patienten sterben sollten. Die Nachtschicht verabreichte dann den ausgewählten Opfern die tödlich wirkenden Medikamente. Ihre Leichen wurden auf dem eigens angelegten Anstaltsfriedhof in Massengräbern verscharrt. Die Patientinnen und Patienten waren in großen Transporten aus dem gesamten Reichsgebiet nach Hadamar gebracht worden. Darunter hatten sich u. a. auch Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der ehemaligen Sowjetunion und Polen sowie Kinder mit einem jüdischen Elternteil befunden.

Vom Personal in Hadamar waren an den Morden in den Jahren von 1941 bis 1945 aktiv beteiligt: fünf Ärzte, ein Verwaltungsleiter und weibliche sowie männliche Pflegekräfte. Sie mussten sich in zwei Nachkriegsprozessen für die von ihnen begangenen Verbrechen verantworten. Die Opfer wurden nach dem Krieg nicht als Verfolgte des NS-Regimes anerkannt und erhielten folglich keine Wiedergutmachung.

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