
Während des Nationalsozialismus wurden nicht nur erwachsene Menschen systematisch ermordet. In den Kriegsjahren wurden auf dem Kalmenhof in Idstein zahlreiche Kinder, wie der vor 83 Jahren ermordete Adolf Tummascheid, Opfer der so genannten „Kindereuthanasie“. Hierzu ordnete das Reichsministerium des Innern Hebammen, Ärztinnen und Ärzte an, den jeweiligen Gesundheitsämtern Säuglinge und Kleinkinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen zu melden – angeblich zur „Klärung wissenschaftlicher Fragen.“
Tatsächlich urteilten die ärztlichen Gutachter des „Reichsausschusses“ Werner Catel, Ernst Wentzler und Hans Heinze anhand dieser Meldungen über Leben und Tod der Kinder. Die Kinder, deren Tod entschieden wurde, wurden in eine der über 30 „Kinderfachabteilungen“ gebracht, die zwischen 1940 und 1945 in Kliniken oder Heil- und Pflegeanstalten eingerichtet wurden. Ein davon befand sich auf dem Kalmenhof, im Krankenhaus der Anstalt.

Auch Adolf Tummascheid gehörte zu den Opfern dieser systematischen Ermordung. Am 9. Februar 1943 wurde er zusammen mit mindestens 16 weiteren Kindern aus der Anstalt Scheuern nach Idstein gebracht. Alle Kinder, die sich in diesem Transport befanden, starben zwischen dem 10. und 27. Februar 1943 auf dem Kalmenhof durch überdosierte Medikamente oder gezielte Mangelernährung.
Adolf Tummascheid wurde am 25. Februar 1943 im Alter von 7 Jahren getötet.
Sein Vater berichtete später im Rahmen des Kalmenhofprozesses, dass er etwa drei Wochen nach Adolfs Ankunft auf dem Kalmenhof ein Schreiben erhielt. Er hätte unverzüglich in der Anstalt zu erscheinen, da mit dem Tod seines Kindes zu rechnen sei.
Solche Schreiben wurden als gezielte Verschleierungstaktik eingesetzt. Die Morde im Rahmen der „Kindereuthanasie“ sollten geheim bleiben. Erst als der Tod des Kindes beschlossen wurde und kurz bevorstand, wurden die Eltern darüber informiert, dass sich „der Zustand der Kinder verschlechtert“ hätte und Lebensgefahr bestünde. So konnten die Eltern nicht mehr eingreifen, bevor die Kinder ermordet wurden. Auch Adolfs Vater sah sein Kind nicht mehr. Er erhielt bei der Ankunft am Kalmenhof lediglich die Nachricht, dass sein Kind bereits verstorben sei.
Bis Kriegsende wurden in den „Kinderfachabteilungen“ zwischen 5.000 und 10.000 Menschen ermordet.



