
Zwischen 1941 und 1945 werden fast 15.000 Menschen in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Einer von ihnen ist Arthur Schuh.
Er wird am 9. März 1935 in Frankfurt geboren, sein Vater ist Schlosser. Um die Familie zu unterstützten, arbeitet seine Mutter zusätzlich zu ihrer Hausarbeit noch als Putzfrau. Mit sieben Monaten erkrankt Arthur an einer Hirnhautentzündung und wird zur Behandlung in die Universitäts-Kinderklinik Frankfurt gebracht. In seiner Krankenakte wird vermerkt, dass er sich danach „wesentlich verändert“ hatte. Er spricht nicht, lernt spät laufen.
Nach einer Untersuchung wird den Eltern die Einweisung Arthurs in die „Heilerziehungs- und Pflegeanstalt Scheuern“ empfohlen. Für Arthur wird es das Todesurteil sein, aus Scheuern werden später Patientinnen und Patienten in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt.
Zu Feiertagen und an seinen Geburtstagen schicken seine Eltern Karten und Päckchen, die mit Leckereien und Spielsachen gefüllt sind. Außerdem erkundigen sie sich bei der Anstalt regelmäßig nach Arthurs Befinden. Die Anstalt meldet ihnen zurück, dass es Arthur gut ginge, er jedoch keine wesentlichen Fortschritte mache.
Am 18. Februar 1943, nach etwa drei Jahren in Scheuern, wird Arthur Schuh in die Landesheilanstalt Hadamar verlegt. Etwa einen Monat später, am 16. März, wurde ein Brief an die Eltern verfasst: Arthur sei an „Darmkatharr mit hohem Fieber“ erkrankt. Da Lebensgefahr nicht auszuschließen sei, erlaube die Anstalt den Besuch der Eltern.
Vor 83 Jahren, am 17. März 1943, stirbt Arthur Schuh. In den Akten wird Darmentzündung als Todesursache vermerkt. In der Regel sind die Ursachen jedoch gefälscht. Arthur wurde im Alter von gerade einmal acht Jahren in der Landesheilanstalt Hadamar ermordet.



