
Am 26. März 2026 fand im Festsaal der Vitos Klinik unsere alljährliche Gedenkveranstaltung anlässlich der Befreiung Hadamars statt. Ausgerichtet wurde diese von der Stadt Hadamar, der Vitos Weil-Lahn gGmbH sowie der Gedenkstätte Hadamar.
Prof. Dr. Jan Erik Schulte, der Leiter der Gedenkstätte Hadamar, und Susanne Simmler, Landesdirektorin des LWV Hessen, begrüßten die Gäste in einer kurzen Ansprache. Frau Simmler betonte, dass Erinnerung niemals nur als Betrachtung der Vergangenheit zu verstehen sei. Erinnern bedeute, Handlungsweisen für die Gegenwart abzuleiten, um ein Miteinander der Menschlichkeit zu ermöglichen. Diese Menschlichkeit, so Simmler, sei keine Selbstverständlichkeit. Auch in der heutigen Zeit erleben wir gesellschaftliche Strömungen, die diese Menschlichkeit ablegen, sie gegen Ausgrenzung und Abwertung eintauschen. Es gelte, sich aktiv gegen diese Entwicklung zu stellen.
Manuela Strube, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, betonte die Bedeutung, die mit der Gedenkveranstaltung einhergehe. „Die Geschichte dieses Ortes ist nicht nur eine Geschichte des Verbrechens. Sie ist eine Geschichte des langen Schweigens und gerade deshalb kommt dem Gedenken eine besondere Bedeutung zu“, so Strube.
In weiteren Grußworten betonten Susanna Langel, erste Stadträtin der Stadt Hadamar, sowie Prof. Dr. Christoph Fehr, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Vitos Weil-Lahn gGmbH, das Menschsein der Opfer, die durch die „Euthanasie“-Verbrechen getötet wurden, in den Vordergrund zu stellen und ihnen eine Stimme in der Gegenwart zu geben. Es bedürfe Kraft, die Worte „Nie wieder“ mit Taten zu füllen, sich gegen Entmenschlichung zu stellen.
Der Hauptredner der Veranstaltung war Prof. Dr. Heiner Fangerau, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er stellte in seinem Vortrag die Betroffenen der „Euthanasie“-Morde und ihre Lebensgeschichten ins Zentrum. „Die schon seit 1933 vom Nationalsozialismus in Opferrollen gedrängte Personen bleiben zu größten Teilen auch in der Erinnerung in einer den Täterinnen und Tätern unterlegenen Position.“, so Fangerau. Versuche der Nachkriegszeit, Opfergeschichten umzuschreiben und Taten totzuschweigen, prägen unsere gegenwärtige Erinnerungskultur. Diese und die historische Arbeit seien stets von der Sorge bestimmt, die Verbrechen und das Leid, das den Menschen zugefügt wurde, können vergessen werden. Dies sei nicht nur ein aus der anfänglichen Nachkriegszeit erwachsenes Problem. Auch in der Gegenwart könne man vermehrte Strömungen des aktiven Vergessens feststellen.
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Schülerinnen und Schülern des Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz unter Leitung von Christof Haxel-Schamuhn, der zudem einleitende Worte zum Projekt Lebensmelodien und den ausgewählten Stücken des Abends sprach.
Wir bedanken uns bei allen Rednerinnen und Rednern sowie den Musikerinnen und Musikern Landesmusikgymnasiums Rheinland-Pfalz, die den Opfern eine Stimme gegeben und unsere Gedenkveranstaltung bereichert haben.
Auch allen Besucherinnen und Besuchern gebührt ein großer Dank. Die Liveübertragung der Gedenkveranstaltung ist ab sofort als Video mit Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache auf unserem YouTube-Kanal abrufbar.






