
Heute vor 85 Jahren hielt der Müsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen seine berühmte Predigt, in der er öffentlich die Morde an deutschen Anstaltspatientinnen und -patienten in der „Aktion T4“ anprangerte: „Wenn man den Grundsatz auf stellt und anwendet, daß man den „unproduktiven“ Mitmenschen töten darf, dann wehe uns allen, wenn wir alt und altersschwach werden! […] Wenn man die unproduktiven Mitmenschen gewaltsam beseitigen darf, dann wehe unsern braven Soldaten, die als Schwerkriegsverletzte, […], als Invaliden in die Heimat zurückkehren!“*
Mit dieser Predigt brach von Galen das kirchliche und öffentliche Schweigen zu der bereits seit fast anderthalb Jahren laufenden „Aktion T4“, in der im deutschen Reich insgesamt über 70.000 Menschen ermordet wurden. Große Bekanntheit erlangte die Predigt, weil die Alliierten sie vervielfältigten und verbreiteten. Die nationalsozialistische Führung plante von Galens Ermordung. Aufgrund seiner großen Beliebtheit entschied sie sich jedoch dagegen, um den Bischof nicht als Märtyrer sterben zu lassen und die Bevölkerung in Westfalen nicht zu demoralisieren. Von Galen überlebte das Kriegsende und starb 1946 als Kardinal in Münster.
Von Galen wurde 1933 – im gleichen Jahr, als die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht erhielten – in Münster als Bischof eingesetzt. Er sprach sich schon früh gegen den Nationalsozialismus aus und forderte nach seiner Ernennung zum Bischof die katholische Kirche dazu auf, gegen das NS-Regime vorzugehen. Während der 1930er Jahre kritisierte von Galen immer wieder von den Nationalsozialisten begangenes Unrecht.
* Heinrich Portmann: Bischof Graf von Galen spricht! Ein apostolischer Kampf und sein Widerhall. In: Das christliche Deutschland 1933 bis 1945. Dokumente und Zeugnisse. Katholische Reihe, 3. Freiburg im Breisgau 1946.
Mehr dazu auf der Website der Gedenkstätte Deutscher Widerstand: https://www.gdw-berlin.de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/clemens-august-graf-von-galen/?no_cache=1



