1945 bis zur Gegenwart

Der lange Weg zur Gedenkstätte

Die Erinnerung an die Ermordeten der Tötungsanstalt Hadamar entwickelte sich nach Kriegsende 1945 in Schüben, unterbrochen von langen Phasen der Verdrängung. Erst mit der 1983 eröffneten Ausstellung im Keller des historischen Gebäudes und der sich einige Jahre später anschließenden Einrichtung der Gedenkstätte Hadamar verstetigten sich Erinnerung und Gedenken.

Es waren die amerikanischen Besatzungssoldaten und nicht Deutsche, die die Verbrechen in Hadamar zum ersten Mal öffentlich machten. Nach der Befreiung am 26. März 1945 untersuchte eine Spezialeinheit der US-Armee die Verbrechen in Hadamar. In der Folge berichteten Zeitungen und Wochenschauen in Großbritannien und den USA über die Tötungsanstalt. Noch 1945 wurde ein erstes Gerichtsverfahren vor einem US-Militärgericht in Frankfurt am Main durchgeführt.

Trotz der frühen Aufklärung über die Verbrechen wurden diese bald, auch in der weiter bestehenden Landesheilanstalt, verdrängt und teilweise geleugnet. An dieser generellen Haltung konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass 1953 im Eingangsbereich der Anstalt ein Relief zu Erinnerung an die Ermordeten eingeweiht wurde. Typisch für diese Zeit blieb die Aussage des Reliefs wenig konkret, nur die Jahreszahlen 1941 bis 1945 wiesen auf die „Euthanasie“-Mordphase in Hadamar hin.

Farbfotografie eines Reliefs. Darauf zu sehen ist ein Mensch, der demütig über eine Feuerschale gebeugt ist und den Blick senkt. Die Inschrift lautet 1941-1945 - Zum Gedächtnis.
Relief im Eingangsbereich von 1953, heutige Ansicht. Foto: Gedenkstätte Hadamar/Tanja Wesel

Die Bereiche des Anstaltsfriedhofs, auf denen von 1942 bis 1945 die Ermordeten in Massengräbern begraben worden waren, wurden zu einer Gedenklandschaft umgestaltet, die im September 1964 feierlich eingeweiht wurde. Eine Stele mahnt seit dieser Zeit „Mensch achte den Menschen“. Relief, Gedenklandschaft und Stele sind noch heute vorhanden. Doch führten sie zeitgenössisch nicht zu einer dauerhaften Gedenkarbeit. Diese Beobachtung gilt nicht nur für Hadamar, sondern für die Erinnerung an die Ermordeten der NS-„Euthanasie“ insgesamt. Sie gehörten in Deutschland Jahrzehnte zu den vergessenen Opfern.

Erst in den 1980er-Jahren änderte sich das gesellschaftliche Klima. Überall in Deutschland wurde vor Ort nach den Bezügen zur NS-Vergangenheit gefragt. In Hadamar überschnitten sich mehrere Initiativen. Die Klinikleitung des psychiatrischen Zentrums sicherte die Akten der Ermordeten und begann mit der Aufarbeitung, Forschende erarbeiteten eine erste größere Studie und eine Gruppe von Studenten und Absolventen der Universität Gießen eröffnete 1983 im Keller der ehemaligen Tötungsanstalt eine erste Ausstellung.

Der Wunsch nach Aufklärung und kontinuierlicher Erinnerung traf in den 1980er-Jahren auch auf Widerstände und Ablehnung. Dennoch etablierte der Landeswohlfahrtsverband Hessen, als Träger der psychiatrischen Klinik in Hadamar, im historischen Gebäude der ehemaligen Tötungsanstalt eine Gedenkstätte. Mit deren Erweiterung und der Eröffnung einer umfangreicheren Ausstellung im Jahr 1991 erhielt die Einrichtung ihren heutigen Namen: Gedenkstätte Hadamar.

Aufgabe der Gedenkstätte Hadamar ist es, die Erinnerung an die Ermordeten wachzuhalten. Dies kann nur gelingen, wenn das Gedenken an diese Menschen und die Auseinandersetzung mit den Verbrechen und ihren Folgen als Aufgabe der gesamten Gesellschaft begriffen wird.

Literatur: Jan Erik Schulte, Hadamar – Geschichte eines deutschen und internationalen Erinnerungsortes der nationalsozialistischen „Euthanasie“, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 72 (2021), S. 175–195.