Seit 2018 befindet sich in der Gedenkstätte Hadamar der Nachlass des Journalisten und Historikers Ernst Klee (1942 – 2013). Er war einer der profiliertesten Forscher und Publizisten im Bereich der Aufklärung der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen sowie der Verfolgung der Täterkarrieren vor und nach 1945.

Der Nachlass besteht aus etwa neun laufenden Archivmetern an Ordnern, die zahlreiche Mitschriften und Aufzeichnungen zu den Ärzteprozessen oder Forschungsberichte enthalten sowie Dokumente, die sich auch auf Klees Zeit als Sozialarbeiter in der Behindertenbewegung beziehen. Herzstück des Nachlasses ist ein Schubladenschrank mit Reiseberichten, Sendeprotokollen und Sendeberichten von Radio- und Fernsehbeiträgen, Leserbriefen, Zeichnungen, Touristenvisa (z. B. Afghanistan 1975) sowie Fotomaterial zu medizinischen Versuchen und Aufnahmen aus verschiedenen Konzentrationslagern. Hinzu kommt Klees Privatbibliothek mit 1.454 Bänden und 50 Videokassetten.

Vor seinem Tode 2013 entschied Ernst Klee gemeinsam mit seiner Frau, dass sein persönlicher Nachlass der Gedenkstätte Hadamar zur Verfügung gestellt werden sollte. Aktuell wird der Nachlass wissenschaftlich erschlossen. Klees Schaffen und Wirken war nicht auf die nationalsozialistische „Euthanasie“ begrenzt. Personelle und inhaltliche Kontinuitäten nach 1945 sind nach wie vor ein Forschungsdesiderat. Klee hat hier Pionierarbeit geleistet und steht damit nicht zuletzt für die Schwierigkeiten, den nationalsozialistischen Krankenmord in der bundesrepublikanischen Erinnerungskultur zu verankern. Die Übernahme des Nachlasses bringt die Herausforderung mit sich, auch den anderen Schwerpunkten von Klees Arbeit Aufmerksamkeit zu widmen. So hat er sich mit großer Intensität der Darstellung der Situation weiterer Gruppen zugewandt, die auch nach 1945 gesellschaftlich an den Rand gedrängt wurden. Dieser Aspekt wird auch bei der Neukonzeption der Gedenkstätte, an deren Beginn diese gerade steht, nicht aus dem Blickfeld geraten.

Farbfoto eines älteren Mannes mit mittellangen grauen Haarzen der ein Buch in den Händen hält. Vom Titel ist nur das Wort "Auschwitz" zu lesen. Portrait von Ernst Klee.
Ernst Klee. Foto: Gedenkstätte Hadamar, Sammlung FK 7, Nr.4

Der Nachlass Klee ist grundsätzlich einsehbar, für eine Nutzung ist jedoch ein Termin notwendig.

Dr. Esther Abel

Wissenschaftliche Dokumentarin
Sammlungsmanagement

Telefon: +49 (0) 6433 91845-22

E-Mail: Esther.Abel@lwv-hessen.de

Farbfoto eines hölzernen Stempels mit der Aufschrift "Sammlung Klee". Im Hintergrund unscharf Akten.
Stempel von Ernst Klee. Foto: Gedenkstätte Hadamar