Biografie Gisela von Rutkowski

Gisela von Rutkowski wurde am 22. Mai 1915 im Kurland (heute Teil Lettlands) geboren. Ihre Eltern wurden gegen Ende des 1. Weltkriegs im Zuge der russischen Revolution ermordet. Gisela von Rutkowski kam daraufhin bei Pflegeeltern in Radebeul bei Dresden unter. Ihr Bruder Lothar wurde als begeisterter Nationalsozialist und Antisemit beschrieben. Er trat 1930 der NSDAP und SS bei und war einer der führenden Rassenideologen der Nationalsozialisten.
Am 10. Dezember 1931 wurde Gisela von Rutkowski in die Landesheilanstalt Marburg aufgenommen. Bei ihrer Aufnahme diagnostizierte man „einen manischen Erregungszustand mit lebhafter psychomotorischer Unruhe“.
Gisela von Rutkowksi wurde im Oktober 1932 aus der Landesheilanstalt Marburg entlassen. Spätestens aber 1937 befand sie sich wieder in dauerhafter Anstaltsbehandlung. Am 30. April 1941 wurde sie in die Landesheilanstalt Weilmünster verlegt. Weilmünster war zu diesem Zeitpunkt eine der Zwischenanstalten der T4-Aktion. Am 13. Juni 1941 wurde Gisela von Rutkowski zusammen mit 99 weiteren Patienten in einem Sammeltransport nach Hadamar gebracht. Noch am Tag ihrer Ankunft wurde sie in der Gaskammer ermordet. Gisela von Rutkowksi wurde zu einem Opfer der NS-Euthanasie-Morde.

Schreiben des Bruders Lothar Stengel v. Rutkowski vom 24.4.1992:

"[....] Die Erkrankung und das Ende Giselas fiel in eine für mich, sowohl politisch als auch persönlich und beruflich stärkst bewegte Zeit von 1928 bis 1949. Gymnasium, Abitur, Studium der Medizin und Vererbungslehre in München und Wien. Staatsexamen während der Ns 'Machtergreifung'? Berlin mit Aufsicht über annektierte Zeitung. Übernahme des Astelschen Institutes in Jena, Kriegsteilnahme in Russland, Gefangenschaft.
Das Schicksal Giselas wurde verdrängt (...).
Ich war in diesem Aspekt Täter und Opfer des gleichen Geschehens, indem ich als Vertreter der Erbgesundheitslehre am Tode meiner Schwester schuldig wurde."